Schreibwarengeschäft Schrand in Gehlenberg schließt – und damit auch die Post


Bild: Heiner Grunert-Elsen
In Gehlenberg endet eine Ära: Das Schreibwarengeschäft Schrand schließt im August. Der Inhaber nennt die Wirtschaftslage und den Onlinehandel als Grund – und hofft auf eine Lösung für die Post.
Gehlenberg – Einen Pelikan-Füllfederhalter für 69,90 DM, ein Moosgummi für 1,50 DM und Window-Color-Farben für 5,95 DM – das waren einige der Eröffnungsangebote, die es im Schreibwaren-Geschäft Schrand Ende November 1998 in Gehlenberg zu kaufen gab. Denn genau zu diesem Zeitpunkt eröffnete Andreas Schrand seinen Laden für Büro- und Bastelartikel, Geschenke, Deko, Pokale und Angelartikel an der Hauptstraße in Gehlenberg. Doch im Sommer dieses Jahres soll Schluss sein. Nach mehr als 30 Jahren will Schrand sein Geschäft am 29. August 2026 zum letzten Mal abschließen.
Neubau von 1998
Dem aufmerksamen Leser wird es jetzt nicht entgangen sein – von 1998 bis 2026 sind es doch noch gar keine 30 Jahre. Stimmt, aber die Geschichte eines eigenen Geschäfts von Andreas Schrand begann auch schon im April 1993, als er das „Grüne Warenhaus“ von Willy Immken an der Raiffeisenstraße übernommen hatte. 1997 begann er aber seinen Plan in die Tat umzusetzen, und ein neues Wohn- und Geschäftshaus an der Gehlenberger Hauptstraße zu bauen. „Am 28. November 1998 ging es dort mit Schreibwaren, Bastel- und Geschenkartikel sowie einem Pokalstudio und Anglershop los“, sagt Schrand im Gespräch mit unserer Redaktion.
Am 29. Juni 2005 berichtete die Nordwest-Zeitung darüber, dass jetzt auch die Deutsche Post wieder einen Service in Gehlenberg im Schreibwarengeschäft Schrand anbietet. Ausriss: Ulf Middendorf
Am 29. Juni 2005 berichtete die Nordwest-Zeitung darüber, dass jetzt auch die Deutsche Post wieder einen Service in Gehlenberg im Schreibwarengeschäft Schrand anbietet. Ausriss: Ulf Middendorf
Mit der Zeit wurde sein Laden aber auch Anlaufstelle für Pakete und Briefe – die Deutsche Post ging mit ihrer Servicestation für Gehlenberg vor etwas mehr als 20 Jahren in sein Geschäft. Zuvor hatten die Bürgerinnen und Bürger in Gehlenberg keinen Anlaufpunkt mehr für Pakete und den Service der Deutschen Post vor Ort. Mit der Schließung seines Ladens geht auch dieser Service an der Gehlenberger Hauptstraße verloren. „Wir sind aber bereits in Gesprächen mit der Post, dass es irgendwo in Gehlenberg eine Alternative geben soll. Ich versuche alles möglich zu machen, damit die Post irgendwie auch nach unserer Schließung im Ort bleibt“, so Schrand.
So sah die Berichterstattung am 28. November 1998 aus: Zur Neueröffnung war ein großes Anzeigenkollektiv in der Nordwest-Zeitung zu sehen. Ausriss: Ulf Middendorf
So sah die Berichterstattung am 28. November 1998 aus: Zur Neueröffnung war ein großes Anzeigenkollektiv in der Nordwest-Zeitung zu sehen. Ausriss: Ulf Middendorf
Die Entscheidung, den Betrieb zu beenden, fiel dem Inhaber dabei gewiss nicht leicht. „Aber jetzt geht es nicht mehr anders“, sagt Schrand. Aufgrund des sich verändernden Kaufverhaltens und der zunehmenden Bedeutung des Internets werde es für den Einzelhandel immer schwieriger. „Durch die aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen haben es kleine Geschäfte auf dem Dorf immer schwerer. Diese Veränderungen haben auch vor unserem Laden keinen Halt gemacht. Und so mussten wir jetzt auch die Reißleine ziehen“, sagt der Unternehmer, der für sein Engagement in der DKMS 2006 von der Nordwest-Zeitung als „Mensch des Jahres“ ausgezeichnet wurde.
Räumungsverkauf gestartet
So startet in dieser Woche der Räumungsverkauf. „Wir wollen uns damit natürlich bei all unseren Kunden für die Treue bedanken. Es muss wirklich alles raus und wir starten mit den Reduzierungen schon bei 50 Prozent Nachlass“, sagt Mitarbeiterin Anke Eilermann. Zusammen mit Martina Breyer hat sie bis zuletzt die Ladentheke in dem kleinen Geschäft „geschmissen“. Auch der Schulstart soll so in diesem Jahr noch mitgenommen werden. „Wie immer können Eltern die Bücherzettel für das neue Schuljahr bei uns abgeben“, so Schrand.