Hetze in Friesoythe: SPD-Kandidat Erik Pünter erhält Morddrohungen

„Nach der Veröffentlichung am Freitagabend fing es mit den negativen Kommentaren langsam an. Da habe ich mir aber noch keine ernsthaften Gedanken gemacht, denn aufgrund meiner Haarfarbe bin ich Beleidigungen schon gewohnt, habe blöde Sprüche schon zu oft gehört“, sagte Pünter im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch als am Samstag aus 100 Kommentaren plötzlich 1000 und mehr wurden, „da rutschte mir das Herz doch etwas in die Hose“. Denn es waren nicht mehr nur die üblichen Beleidigungen über seine Haare, sein junges Alter und den generellen Zustand der SPD, sondern es mischten sich auch handfeste Bedrohungen mit Mordfantasien unter die Kommentare. Da sei er dann doch in eine kurzzeitige Schockstarre gefallen und habe sich Sorgen um seine Familie und sich gemacht. „Was ist, wenn solche Leute dann doch vor der Tür stehen“, machte sich Pünter so seine Gedanken.
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Er habe es aber irgendwie geschafft, die ganze Sache rational zu sehen. So käme zum Beispiel der „Kopfschuss“-Kommentator nach seinen Informationen aus Euskirchen und der „Lass dich erschießen“-Kommentator aus Österreich. Die würden sich eher nicht auf den Weg nach Gehlenberg machen, so sein Gedanke. Am Samstagabend erstattet er eine Online-Anzeige gegen den Verfasser von „Sofort Kopfschuss. Fertig!“. Als sich auf Facebook die Seite „Aktivistmuss“ mit dieser Geschichte beschäftigte (die Plattform veröffentlicht Verfasser von Bedrohungen, Hass und Hetze mit Namen und Foto), nahm alles nochmal an Dynamik zu. Diesmal gab es im Netz auch unheimlich viel Unterstützung.
Die Masse an negativen Kommentaren riss aber auch am Wahlsonntag nicht ab. „Der Post ist wohl in diverse Gruppen geraten“, vermutet der 21-Jährige. Eine Vielzahl der Kommentatoren sei aufgrund ihrer Facebook-Profile dem AfD-Lager zuzuordnen. Pünter ging zur Polizei. Auf der Friesoyther Wache habe er große Hilfe erfahren. Neben beruhigenden Worten habe es auch den wertvollen Hinweis gegeben, alles zu sammeln, was er zur Anzeige bringen wolle, um es dann gebündelt einzureichen. So gebe es dann nur ein mögliches großes Ermittlungsverfahren und nicht viele einzelne. Damit wird Erik Pünter in den nächsten Tagen zu tun haben. Und für ihn ist auch ganz klar: „Ich lasse mich davon nicht einschüchtern. Ich sehe das eher als Ansporn, mich noch intensiver zu engagieren.“
Negativen Einfluss auf den Wahlausgang hatte die Internetkampagne gegen ihn übrigens nicht. Er ist am Sonntag für die SPD in den Friesoyther Stadtrat gewählt worden.
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