Neue Reitanlage in Gehlenberg: Hannah Nett setzt auf klassische Reitkunst

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Mit 25 Jahren hat Hannah Nett in Gehlenberg ihre eigene Reitanlage eröffnet. Die Ausbilderin setzt auf 200 Jahre alte Methoden, die Pferde schonen statt verschleißen. Damit will sie den Reitsport verändern.

Gehlenberg – Mit knapp fünf Jahren saß Hannah Nett das erste Mal auf einem Pferderücken. Dabei war der gebürtigen Kölnerin schnell klar: „Das ist es, was ich mein Leben lang machen möchte.“ Etwa 20 Jahre später hat sie sich diesen Traum in Gehlenberg mit ihrer eigenen kleinen Reitanlage erfüllt. Seit Mai dieses Jahres bietet sie dort unter anderem die Ausbildung von Pferden an – vom Anreiten bis hin zur Turniervorbereitung. An höchster Stelle steht dabei vor allem eines: die Gesundheit der Tiere.

„Ich bin mit Warmblütern aufgewachsen, hatte zum Beispiel auch ein Schulpferd. Als ich dann damals Max bekam – mein ältestes Pferd, das auch heute hier noch steht – habe ich aber gemerkt, dass er mit diesem klassischen Reiten nicht klarkommt. Er ist dann leider auch krank geworden. Aber ich habe nie aufgehört, an ihn zu glauben und dachte immer, dass da noch mehr gehen muss. Also habe ich mich mehr und mehr mit der klassischen Reitkunst von vor etwa 200 Jahren auseinandergesetzt“, erklärt die 25-Jährige. Unter der „klassischen Reitkunst“ versteht man eine Ausbildungsmethode, die sich vor allem auf die Gesundheit und Freiwilligkeit der Tiere bezieht. „Es geht weniger um den Leistungssport, sondern verkörpert die Kunst dahinter“, fügt Nett hinzu.

Die Philosophien der alten Reitmeister wie etwa Gustav Steinbrecht – der besonders auf Kraft- und Beweglichkeitstraining bei Pferden setzte – oder des Franzosen François Baucher, dessen Ideal ein Pferd war, das sich unter dem Reiter ähnlich frei und leicht bewegt wie ohne Reiter, fließen auch in Netts Methodik ein.

„Die Warmblüter, die ich hier habe, wurden sehr leistungsstark gezüchtet. Mit ihnen ist praktisch alles möglich – vom Springen bis zum Voltigieren. Aber erst müssen sie eben trainiert werden, um die Leistung zu bringen, die man von ihnen erwartet“, sagt die Ausbilderin.

Sobald ein Reiter dazukommt, entsteht im Lauf bereits ein Ungleichgewicht, auf das die Tiere zunächst vorbereitet werden müssen. Dafür benötigt es zuvor einiges an sogenannter Bodenarbeit – also Einheiten vom Boden aus, die die Kommunikation, das Vertrauen und die Körpersprache zwischen Mensch und Tier stärken.

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Und: „Jedes Pferd ist anders. Es sind Lebewesen und keine Gegenstände, für die es eine Gebrauchsanweisung gibt. Ein Schema F funktioniert da einfach nicht.“ Daher habe sich Hannah Nett auch gegen eine sonst eher übliche Ausbildung entschieden. „Das war mir schon immer zu oberflächlich. Sicherlich gibt es Bücher, in denen man sich belesen kann, aber am Ende muss man sich in das Tier hineinfühlen und spüren, was es braucht. Und das lernt man dort eben nicht“, erklärt sie. Stattdessen habe sie vor allem auf den Austausch mit anderen Trainern und den direkten Umgang mit dem Pferd gesetzt.

„Deswegen biete ich auch keinen Reitunterricht im Sinne von: Man kommt einmal die Woche her, reitet und geht wieder nach Hause. Mir ist wichtig, ein Gefühl für die Tiere zu vermitteln. Und darin steckt auch immer eine Menge persönliche Entwicklung, denn Pferde spiegeln uns Menschen auf eine ganz ehrliche Weise.“

Aktuell befinden sich auf der Reitanlage sechs Berittpferde. Insgesamt gibt es zwölf Boxen, die je nach Auslastung auch als Pensionsplätze zur Verfügung stehen. Im kommenden Jahr möchte die 25-Jährige selbst mit einem ihrer Pferde auf Turnieren starten.

„Ich möchte zeigen, dass es auch anders geht. Dass Leistung nicht unter Druck entsteht, sondern durch gegenseitigen Respekt, ohne sein Pferd zu verschleißen. Damit wir eines Tages hoffentlich andere Bilder im Reitsport sehen, denn das fehlt Deutschland derzeit.“

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